Sonnenuntergang einmal anders…

…es lässt sich ja nicht mehr leugnen, dass Sonnenuntergänge mich faszinieren (ich liebe sie einfach) – aber wie sieht die Sonne eigentlich selbst aus… beim Sonnenuntergang…

Nun, Sonnenfotos habe ich schon (mit Teleskop und Filter) viele gemacht. Die Herausforderung bei diesem Foto: es ist ohne Teleskop, also nur mit Kamera, Teleobjektiv, Telekonverter (und Filterfolie) entstanden… während dem Sonnenuntergang… 😛 Man beachte die Sonnenflecken…

(Brennweite 200mm + 2x Konverter + 1,4x Konverter, dadurch Blende f/9, Belichtungszeit 1/500s und ISO 12800 mit Sonnenfolie)

Elektronik – Neu oder gebraucht?

Guten Morgen Ihr Lieben – da das Thema immer wieder auf kommt, möchte ich ein paar grundsätzliche Punkte ansprechen und mit dem marketinggesteuerten Neuer-Höher-Schneller-Weiter Müll aufräumen:

Beobachtet man den Markt von elektronischen Geräten, hat man das Gefühl, die Geräte… Computer, Kameras, Handys, Soundanlagen… erleben von Version zu Version Quantensprünge an Entwicklung, Neuerungen und Innovation – und selbst, wenn man diese Geräte dann in die Hand nimmt, scheint sich dieses Gefühl zu bestätigen.

Aber ist das tatsächlich so?

Wenn man dann selbst ein wenig fakten-basiert recherchiert, experimentiert, stellt man ziemlich schnell fest, dass der ultraneue Prozessor, der schnelle Speicher seinen megateuren Laptops gerade mal Faktor 1,5 schneller ist, als seine alte Möhre – und dass die gefühlte Performance nur durch eine verbaute SSD-Festplatte kommt, die die alte Möhre exakt genauso beschleunigt hätte.

Ich habe mir einmal den Spaß gemacht und für meine digitale Canon Spiegelreflex-Kamera Adapter gekauft, um die 30 Jahre alten Objektive meiner Olympus OM-10 nutzen zu können und jeweils gleiche Brennweiten in ihren Ergebnissen miteinander verglichen. Die Details und teils erstaunliche Effekte würden jetzt diesen Post sprengen, aber unterm Strich hieß das Ergebnis: trotz Canons vollmundiger Marketingversprechen von „nie dagewesenen“ Vergütungen und selbstverständlich computerberechneten Linsen… standen die jahrzehnte alten Analog-Objektive den Modernen in NICHTS nach. Klar fehlen Bildstabilisator, Autofokus und damit verbundenen natürlich Echtzeiteingriff – aber die Ergebnisse können sich absolut sehen lassen.

Doch… warum ist das so? Ganz einfach: die Gesetze der (heute bekannten) Physik existieren seit gut 13,7 Milliarden Jahren. Licht ist die gerichtete Bewegung von Photonen… und eine Kamera von heute funktioniert noch genauso wie die ersten Zigarrenkisten-Kameras: eine Optik/Linsen-System fängt die genannten Photonen ein und bündelt sie für die Dauer der Vorhang-Öffnung auf eine photoempfindliche Fläche. Dies kann ein Analogfilm mit chemischen Reaktionen sein, oder beim Sensor eine elektrische/elektronische – aber sowohl der Weg, wie auch das Ergebnis sind im Prinzip das Selbe.

Aber… warum fühlt sich das dann so viel besser an? Auch das lässt sich recht einfach erklären – aber dafür muss man ein wenig ausholen: der Mensch von heute neigt dazu, Verantwortung abzugeben, sich führen zu lassen – tiefenpsychologische Theorien darüber sparen wir uns an dieser Stelle. Wir stehen in dem ständigen inneren Konflikt aus Kontrollverlustängsten auf der einen Seite und der Angst vor Verantwortung, vor Entscheidungen auf der anderen Seite. Die Elektronik von heute suggeriert einem beides vereint: man scheint die volle Kontrolle z.B. über das Foto zu haben, man kann Fokuspunkte setzen, Blende und Belichtungszeit kontrollieren… und trotzdem ist da immer die Elektronik im Hintergrund, die uns dabei unterstützt. Doch in Wirklichkeit haben wir weder die vollständige Kontrolle, noch geben wir die Verantwortung tatsächlich ab: egal in welchem Aufnahmemodus, egal wie teuer die Kamera: wenn wir nicht wissen, was wir tun, bekommen wir bestenfalls mittelmäßige Ergebnisse, ansonsten verwackelte, verrauschte, oder unterentwickelte Bilder.

Als damals mein Opa mit seiner Voigtländer Plattenkamera im Schützengraben unter Bombenexplosionen im Dreck lag und gerade mal 7 Platten zum Wechseln dabei hatte, war jeder „Schuss“ ein Treffer – und es sind erstaunlich gute Ergebnisse bei raus gekommen (unter Berücksichtigung des damals schlechten Negativ-Materials). Man hat eine Kamera gekauft und sich damit beschäftigt. Man wusste um die Wechselwirkungen von Blende, Schärfentiefe, Belichtungszeit und Bewegungseffekten, hat bei der Aufnahme schon berücksichtigt, dass man bestimmte Filme später in der Dunkelkammer mit Pushentwicklung korrigiert. Heute verlieren wir jeden tatsächlichen Bezug zur Technik, zur Physik dahinter. Und DAS ist der eigentliche Kontrollverlust.

Ich möchte Euch noch ein Beispiel bringen, bevor ich den Bogen zur Eingangsfrage finde: früher hatten Autos keine elektronischen Hilfen, kein ABS, kein ESP, keine aktiven Fahrwerke – geschweige Spurwechselassistenten, Spurassistenten, die scheinbar die Gesetze der Physik aufzuheben scheinen – aber die Gesetze der Physik lassen sich nicht betrügen. Damals ist man Heckantrieb-Autos gefahren, die bei zu schnellen Kurvenfahrten übersteuerten – das heißt, das Heck brach aus, oder man ist Frontantrieb-Autos gefahren, die untersteuerten – das heißt, dass das Auto „über die Vorderräder“ aus der Kurve raus rutscht. Dies passierte aber langsam: man hörte die Räder anfangen zu „singen“, anschließend spürte man, wie die Lenkung „weich“ wird und schließlich brach das Auto langsam und gemächlich aus: man hatte alle Zeit der Welt, noch einzugreifen und die Situation zu retten: Gas wegnehmen, gegen lenken – wir früher konnten tatsächlich noch Dinge, die heute meist Rallyefahrern vorbehalten sind. Die Autos von heute versuchen Dir auch diese Arbeit so lange abzunehmen, bis es nicht mehr geht – um DANN allerdings schlagartig vor der Physik zu resignieren… aka: Dich in den nächsten Graben zu befördern – und wieder tatsächlicher Kontrollverlust: genau das, was man eigentlich verhindern will, geschieht ohne Dich danach zu fragen.

Doch zurück zur Ausgangsfrage.

Der Auslöser dieses Blogbeitrages war die Frage einer Frau in einer Facebook-Gruppe, die sich zwischen einer Canon 7D und einer 70D entscheiden wollte. Daher werde ich auch an diesem Beispiel die Frage beantworten…

Speziell bei Canon muss man, was die Modellpolitik betrifft, zwei Faktoren berücksichtigen: erstens nimmt die Qualität und die Leistung mit der Länge der Modellbezeichnung in der Regel ab. Das heißt, dass eine einstellige Kamera in der Regel besser ist, als eine Zweistellige und diese wiederum besser als eine drei- oder gar vierstellige Kamera. Zum Zweiten hat es durch den breiten Markt und die Einführung der Vierstelligen eine Verschiebung in Richtung Consumer gegeben. Wenn noch damals die 350D eine durchaus amateurtaugliche Kamera war, die fast mit der 20D konkurrieren konnte, würde man sich heute mit den selben Ansprüchen im zweistelligen Bereich, oder gar bei den günstigeren Einstelligen orientieren.

Bei der Entscheidung zwischen „alt, aber hochwertig“ und „neu, aber Mittelklasse“ muss man sich daher fragen: was ist mein Bedarf, was möchte ich erreichen? Die neuen Kameras haben oft immer mehr Funktionen, immer mehr Assistenten – während die alten Kameras in der Regel robuster, qualitativ besser sind, im Ergebnis einfach mehr leisten – und oft deutlich günstiger zu bekommen sind.

Genauso sollte man beim Kauf einer Kamera sich immer auch einmal fragen, ob nicht der Schritt zum „Vollformat“ (früher nannten wir es „Kleinbild“ und war Standard) sinnvoller wäre – wobei man fairerweise betonen muss, dass Vollformat unter bestimmten Bedingungen auch Nachteile hat: Kameras und Objektive sind schwerer (eigentlich ein Vorteil beim ruhig halten), vom Neupreis her in der Regel teurer… und durch den fehlenden Crop-Faktor „fehlt“ einem Brennweite, die man wiederum über Gewicht und Preis erkaufen muss. Dafür bekommt man ein (physikalisch bedingt) deutlich lichtstärkeres System mit weniger Rauschen, wenn man mit Schärfen(un)tiefe arbeiten möchte bekommt man trotz größerer Blendenzahlen eine bessere Freistellung – und die Gefahr vom Verwackeln ist deutlich reduziert…

Unterm Strich würde ich, gerade bei fehlendem Budget, immer eher zur gebrauchten Älteren, dafür hochwertigeren Kamera, als zu einer Jüngeren mit tausend zusätzlichen Funktionen, die einem unterm Strich „an der Front“ sowieso nicht helfen.

Eine Generation von Nichts- und doch Alles-Könnern

Nichts- und doch Alles-Könner?

Ja, was denn nun? Sind wir nun Nichts-Könner, oder Alles-Könner? Und wie lässt sich das mit der immer weiter fortschreitenden Job-Spezialisierung erklären?

Ältere Menschen werden – wurden auch von mir – öfters mit ihrer „früher war alles Besser…“ Mentalität aufgezogen… und als ich selbst damit anfing habe ich lange mit dieser Einstellung gehadert und versucht zu reflektieren, woher sie kommt.

Nun, wir leben in einer Zeit des Überflusses. Entgegen aller Unkenrufe haben wir alle genug zu essen, genug Jobangebote und jeden erdenklichen Freizeitausgleich. Es gibt, entsprechende Gesundheit vorausgesetzt, nichts was wir nicht tun könnten. Alles ist erreichbar geworden – und alles ist machbar geworden.

Und dennoch können wir nichts mehr – nichts mehr richtig.

Ich möchte es Euch anhand eines Beispiels erklären, was ich meine

Wer früher fotografieren wolle, musste Hürden überwinden. Zunächst war eine Kamera nicht eben auf Amazon bestellt, sondern musste in der Regel erspart werden. Schon vor dem Kauf hat man sich mit der Fotografie beschäftigt. Nicht nur mit der Fotografie selbst, sondern auch mit sich: mit der Frage „was will ich eigentlich fotografieren?„.

Wenn dann das Geld da ist und man wirklich wusste, was man fotografieren will, erwartete einen die nächste Hürden: ASA und ISO Zahlen? Blende, Belichtung, Brennweite? Und warum ist nicht die ganze Trachtengruppe scharf, sondern nur die vordere Reihe? Kurz: man musste sich mit der Technik des Fotografierens auseinander setzen, sonst sah man sprichwörtlich schwarz. Oder unscharf. Oder beides.

Diese Zeiten sind selbstverständlich lange vorbei. Heute hat jeder ein Smartphone mit eingebauter Kamera, die sich um alle diese Dinge kümmert. Man braucht nur noch drauf halten und schon ist das Foto im Kasten – perfekt belichtet, durchgehend scharf und sogar den richtigen „offene Augen“ Moment erwischt das Smartphone vollautomatisch! Wozu sich noch mit dem ganzen „alten Kram“ beschäftigen?

Ganz einfach: es ist ein Irrglaube

Jeder weiß, dass ein Smartphone eben nicht immer perfekte Fotos macht: sie sind oft verwackelt, unter- oder überbeleichtet, sie sind verrauscht, irgendwie „von vorne bis hinten platt“ – und spätestens in der Dämmerung legt man das Handy sowieso beiseite.

Licht, wie wir es heute kennen, existiert seit etwa 13,7 Milliarden Jahren und besteht aus Photonen. Daran hat sich auch in den letzten 200 Jahren Fotografie nichts verändert. Photonen fliegen durch Linsen abgelenkt auf eine fotoempfindliche Schicht, oder Detektorplatte. Das Wissen über die Physik und  die Technik der Fotografie machen eine umfassende Bildgestaltung überhaupt erst möglich.

Oberflächlichkeit als Massenphänomen?

Das beliebig verfügbare Wissen, gepaart mit umfassender Technik, die uns den Alltag erleichtert, führt dazu, dass wir im Alltag immer weniger „unter die Haube schauen„, immer weniger Hintergrund, immer weniger Basis verstehen. Wenn wir früher unsere Segelflug-Modelle in der Luft halten wollten, brauchten wir ähnliches Wissen über Aerodynamik, wie ein Pilot – heute fliegen wir in unserer Freizeit Quadrocopter mit Gyrostabilisierung und GPS, die uns folgen können, von alleine zurück finden und sogar programmierte Loopings fliegen. Dennoch kann die Technik nicht darüber hinweg zu täuschen, dass auch ein Flugmodell den Gesetzen der Physik unterliegt – genau wie beim Auto Antiblockiersysteme und elektronische Fahrwerksstabilisierung nicht darüber hinweg täuschen können, dass ein Auto bei Glatteis aus der Kurve fliegen kann (was genau der Grund dafür ist, warum trotz aller Technik noch immer so viele schlimme Unfälle passieren).

Würden wir die ganze Technik als das nehmen, was sie ist: nämlich als Mittel des Komforts und nicht als Ersatz für ein eingeschaltetes Hirn, würde uns so manche herbe Bauchlandung erspart bleiben.

Aber ich kann doch nicht für alles ein Studium ablegen?

Warum eigentlich nicht?

Nein, Spaß beiseite: sicherlich braucht man weder ein Studium zum Fotografieren, noch um eine Drohne zu fliegen – und auch nicht zum Auto fahren. Aber ein wenig „unter die Haube schauen“ tut nicht weh – und wenn man erstmal wieder gelernt hat zu lernen, macht das Lernen auch wieder Spaß – und das geliebte Hobby wird doppelt so interessant.