Die Kontroverse um den Wolf in Deutschland

Der Wolf ist zurück. Er ist kein Mythos mehr aus alten Kindermärchen (aus heutiger persönlicher Sicht würde sie eher Horrorgeschichten nennen) mehr, er ist keine fiktive kleine Zahl auf der Liste der aussterbenden Arten mehr. Er ist da und er fordert sein Revier, welches ihm – aus seiner Sicht – seit dem 15. Jahrhundert systematisch genommen wurde.

Erwartungsgemäß führt diese Tatsache – auch in mir – zu gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite steht natürlich der Naturschutz und die Tatsache, dass da eine vom Aussterben bedrohte Art sich gerade erholt, auf der anderen Seite bedeutet ein wildes Raubtier mitten in einer Zivilisation natürlich Probleme, die sich nicht durch Schönreden bewältigen lassen.

Wie Ihr von mir vielleicht wisst bin ich kein Freund von Extremismus und Populismus – und genau das passiert verbreitet in Anti-Wolf Kampagnen wie zum Beispiel auf Facebook die Gruppe Wolf – nein Danke in der sich die Mitglieder vorwiegend reißerisch gegenseitig Horrormärchen erzählend und Fotos von vermeintlichen Wolfsopfern (aus aller Welt) postend gegenseitig in ihren Emotionen hoch puschen.

Faszinierend ist für mich vor allem eine Beobachtung: *wer* auf Seiten der Wolfsgegner am lautesten rasselt: es sind vorwiegend Jäger. Eigentlich hätte ich erwartet, dass Schäfer Angst haben, oder Pferdebesitzer, natürlich auch Eltern, die Angst um ihre Kinder haben – aber: WTF Jäger? Wovor haben die Angst? Dass der Wolf ihre Jagdhunde reißt? Oder sie selbst heimtückisch auf dem Hochsitz überfällt? schwer bewaffnet mit zwei Kurzwaffen und unbegrenzt vielen Langwaffen? Nicht im Ernst, oder?

In solchen Momenten versuche ich mich in meinen Gegenüber zu versetzen und frage mich: was wären da meine Beweggründe? Ziemlich schnell komme ich da zu einem Ergebnis: Der Wolf war über 400.000 Jahre einer der wichtigsten Pfleger unserer Fauna, bis wir Menschen in unserer Selbstherrlichkeit meinten, es besser zu können. Heute, nachdem systematisch das ökologische Gleichgewicht der Natur kaputt gemacht wurde, brauchen wir die Jäger, um wenigstens halbwegs den Folgen dessen Herr zu werden. Nun kommt der Wolf zurück und macht den Jägern eben diese Aufgabe streitig… vor allem, weil er genau die Tiere erlegt, auf die auch der Jäger scharf ist. Raubvögel erlegen bekanntlich keine Rehe, Hirsche oder Wildschweine, sondern „uninteressantes“ wie kleine Nager – weshalb der Jäger mit ihnen auch kein Problem hat… klingt logisch, oder?

WENN sich also jemand zu Wort melden sollte, dann vornehmlich Pferdebesitzer, Schäfer und andere Weidebetreiber (und besorgte Eltern – da komme ich gleich noch zu). Die Schäfer als Hauptbetroffene erkennen aber interessanterweise den Schutzstatus des Wolfes an und die entsprechenden Verbände haben längst ein gemeinsames Eckpunktepapier herausgebracht, an dem der Bundesverband Berufsschäfer, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Deutscher Grünlandverband, Deutscher Tierschutzbund, International Fund for Animal Welfare, Naturschutzbund Deutschland (NABU), Ökologischer Jagdverband und der WWF Deutschland beteiligt waren.

Wenn es um die Gefährdung des Menschen durch den Wolf geht, sollte man am besten Menschen fragen, die als Mensch mit Wölfen zusammen leben. Solche sind zum Beispiel Birgit und Matthias Vogelsang die zuhause mit Wölfen in einem eigenen Gehege leben und auch im Wisentgehege Springe mehrere Rudel betreuen und mit Vorführungen, Wolfsabenden und Geduld über den Wolf aufklären. Ich empfehle jedem, der sich für Wölfe oder Probleme mit ihnen interessiert, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen und vielleicht mit Vorurteilen auszuräumen, denn interessanterweise scheint gar keine reale Gefahr für den Menschen von Wölfen auszugehen, wenn man sich mit der Problematik ein wenig beschäftigt.

Unser ganzes Leben steckt voller Gefahren. Krankheiten, Verkehrsunfälle, Kriminalität fordern täglich(!) viele Tote. Hingegen gibt es bisher keinen einzigen dokumentierten Fall eines Wolfsangriffes auf den Menschen. Warum haben wir vor einer fiktiven Gefahr so viel Angst?

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